Dienstag, 27. November 2007

Weiß

Der erste Schnee ist immer ein bisschen wie Liebeskummer. Er bläst einem mehr nass als weich ins Gesicht. Auch wenn man denkt, bald wird alles vorbei und zugedeckt sein, die ersten Tage in dieser Mischung aus flüssig und fest, aus Werden und Vergehen, sind anders als alles.

Mein Körper stellt sich mehr auf die Kälte ein. Ich friere immernoch erbärmlich, aber das tue ich im Winter immer. Ich habe Mütze und darüber Kaputze auf, ich trage einen dicken Schal und Handschuhe. Etwas Kälte hält das Fern. Die von Außen zumindest. Innen richtet das Wetter nicht weniger Schlimmes an: Zuerst eine Depression, eine gering andauernde, dafür intensive. Dann nur noch eins: der Wunsch, sich eine Höhle zu suchen und zu schlafen. Bis zum Frühling.

Das passiert aber nur beim ersten Schnee. Der erste Schnee, der liebeskummergleiche, bleibt nicht liegen. Es bilden sich wieder Wasserlachen, es ist noch zu warm. Aber der Wind wird kälter. Und bald wird dieses Gefühl vorbei sein und der richtige Schnee wird kommen, er wird liegenbleiben und alles abdämpfen. Die Realität scheint verklärt, die Weihnachtsdekorationen wirken dann nicht mehr abstossend sondern Surreal, der Schnee bleibt und nimmt der Welt etwas von ihrer Härte. Auch das einem inneren Prozess gleich. Vielleicht ein bisschen wie verliebt - weg von der Realität.

Dienstag, 13. November 2007

Mützekatze

Es wird kälter und ich bin der Meinung, es ist jetzt Winter. Genauer, seit heute. Zwar liegt kein Schnee, nur der Wind ist kalt und fährt einem in den Mantel und von dort in die Glieder und es regnet nur mit Schneegestöber. Aber: Die Kleidung passt sich an. Heute im Bus und in der Tram habe ich es bemerkt: Die Menschen haben begonnen, tote Tiere anzuziehen.

Die Vorstellung eines russischen älteren Herrn, der mit Freunden in der Kälte Wodka trinkt, ist verknüpft mit diesen Pelzmützen auf dem Kopf. Eine Mütze, die aus unterschiedlichen Tieren gemacht werden kann, wie ich heute festgestellt habe. Zwar bin ich mir nicht sicher, ob ich richtig gesehen habe, aber auch Katzen sind möglich. Mützekatze, komm her kleine Mützekatze.

Die Damen hüllen sich gern in Pelzmäntel, ob echt oder nicht scheint unerheblich. Aber ich vermute, diese Mäntel sind so etwas wie wertvoller Schmuck: Sie werden von Generation zu Generation weitergegeben.

Ob nun diese Mäntel wärmer sind als meine Jacke weiß ich nicht. Aber ehrlich gesagt, meine ist ja auch mit Tier: Daunen verstecken sich drin. Wie lange mich die geflatterfiederten Tierchen wärmen bleibt offen, notfalls lege ich mir eine Jacke zwei Größen größer für drüber zu.

Ein weiteres offenes Fragezeichen: Wie halten es manche Polinen aus, die bei diesem Wetter in gürtelbreiten Miniröcken die Straße betreten?

Dienstag, 6. November 2007

Ich bin ja immer auf der Suche nach einem schönen Café usw.

Rendez-vous des amis

Männer
mit fettigen Haaren/
Künstler oder
Künstler und
Bauarbeiter/
Zwei Frauen bedienen/
nur eine
sitzt am Tisch/
der wie alle
in dunklem Holz gehalten ist
(wie man so sagt)/
wie auch die Stühle, das kleine Regal/
die geschwungene Bar/
direkt neben der Tür/
Postkarten/
der Boden gefließt/
Ich sehe kaum ins Hinterzimmer/
doch auch da sind ein paar/
Menschen/
die Kaffee trinken/ oder Bier/
Und Musik:
Gesang eines Mannes auf französisch:
"Ils risquent de se faire retard" oder so/
Zigarettenrauch entweicht/
aus den Mündern/
bleibt in der Luft/
verschwindet einsam durch/
die Eingangs/
Tür.