Sonntag, 6. Juli 2008

Der Traum ist aus


Oder war er nie?
Ich bin immer noch etwas dort, in Warschau, als hätte ich ein Stückchen Gehirn dort gelassen, dass nur Warschau denken kann.

Aber der Rest ist wieder hier, die Physe, und ich warte also und arbeite daran, auch den andern Teil herzuholen. Das dauert noch, ich habe diese Stadt sehr gemocht, und natürlich existiert sie weiter, auch wenn ich nicht mehr dort bin. Das seltsame ist, dass es sie nicht mehr so gibt, wie ich sie kannte.

Die Menschen darin kommen und gehen, und viele die ich kannte, gehen. Gehen. Gehen.


Als wäre der Charakter eines Ortes überhaupt denkbar ohne die Charaktere der Menschen dort.

Es gibt nie ein zurück.

Also vorwärts-

Dienstag, 10. Juni 2008

H5N1 - Engel


Es scheint, die Engel fallen. Sie liegen überall, aber meist nur die Flügel....
Graue Flügel.
Es sind wohl keine, es sind vielmehr Tauben. Tonnenweise Tauben.

Ich weiß nicht warum. Ich weiß nicht, ob sie einfach abstürzen. Vielleicht.
Vielleicht bewegen sie sich auch nicht, wenn die Autos kommen.
Aber es sind viele tote Flügel, überall, auf den Strassen, auf den Gehwegen.

Viele Flügel die nicht mehr fliegen. Die stattdessen von Maden durchzogen da liegen.

Es wird Zeit, die Stadt zu verlassen.

Freitag, 23. Mai 2008

Okna

heißt Fenster.


Nicht nur, dass der Bus nicht mehr bis zur Uni fährt, weil umgeleitet, weil - klar - gebaut wird, nein. Der Bauwahn hat sich manifestiert, höchstpersönlich, in meinem Zimmer.

Vorgestern war es soweit, sie kamen. Sie kamen zu dritt oder viert um die vier Fenster in unsrer Wohnung auszutauschen. Sie kamen, wir gingen in die Küche, bis wir auch von dort weichen mussten, damit sie arbeiten konnten. Die Wohnung war voller Folien, die alles bedecken sollten, um weniger Schmutz zu machen. Allerdings gingen die Folien wohl vor meinem Zimmer aus: kein abgedecktes Bett, nur der Boden etwas. Sie arbeiteten, laut, Fenster entfernen macht viel Lärm und Dreck.
Und dann ging ich - Vorlesung. Als ich zurückkam, war alles erledigt. In 3 einhalb Stunden!
Vier Fenster rein und raus.

Ich habe im Anschluss alles geputzt und so richtig sauber ist es noch nicht. Das Erstaunliche ist, dass die Handwerker so schnell waren. Ich glaube, sie haben nicht mal eine Pause gemacht.

Jetzt schaue ich durch neue Plastikfenster mit neuem Fensterbrett auf die neu eingestyroporten Häuse. Habe ich das hässliche Grün von gegenüber schon erwähnt?

Heute habe ich gesehen, dass sie anfangen, auch das andere Nachbarhaus einzugerüsten. Es geht vorwärts.

Freitag, 16. Mai 2008

Langsam

nehme ich Abschied.

Mein Rückflug ist gebucht, der 27. Juni wird mich nach München und ins andre Leben bringen. Wie ich mich machen werde beim Wiederdasein, beim Zurechtfinden und Zurechtrücken des Vergangenen im Vergangenen?
Ich habe gesagt bekommen, nichts ist schlimmer als der Schock danach. Das Ankommen, das dort sein in der zwischenzeitlichen Heimat ist manchmal hart um sich Einzuleben.
Aber am Schlimmsten ist es wohl, wie das andre Leben daheim wieder schockieren wird.
Zumal: Die Welt hat sich auch dort weitergedreht und ich wünsche mir doch manchmal dass es nicht so ist.

Noch 42 Tage. Es ist so absehbar jetzt. Noch mindestens 3 Tage davon Prüfungen. Noch 4 Tage mindestens erneut mit Freunden durch Polen reisen. Zwei Essays werden noch von mir geschrieben bis dahin. Noch ein Feiertag mit langem Wochenende....

Noch 41 Mal hier wach werden. Ich freue mich drauf.
Bald wieder woanders wach werden. Ich freue mich. Und habe Angst.

Freitag, 11. April 2008

...ich... hier

zwar schon einige zeit her seit letztem schreiben, aber ja, ich bin noch in warschau und freue mich, noch hier zu sein.

es wird frühling, er ist greifbar, er liegt mehr als in der luft. wenn nicht gerade...

renoviert wird. denn wenn das passiert, liegt viel anderes noch mehr in der luft: ich blicke aus meinem fenster, und denke, es schneit. das liegt an der renovierungstaktik hier. alte graue bauten werden bunter, überwiegend gelb, und zwar mithilfe von styroporplatten, die man über das haus verteilt. die müssen erst zurechtgemacht werden, daher die schneeimpression. ein weiteres nachbarhaus wird weiß gekleidet und gelb/grün/irgendwas gestrichen.

hier, am nachbarhaus, passiert das mit einem gerüst, was zu erwarten war.
auf dem weg zur uni habe ich schon wagemutigere varianten gesehen: diese fensterputzdinger an vier seilen werden zweckentfremdet (oder vielleicht, vielleicht war der eigentliche zweck auch nicht, beim fensterputzen zu helfen?). die platten auf denen die arbeiter stehen, hängen teilweise schief, aber häuser auch mit sechs, sieben stockwerken, habe ich schon auf diese weise bearbeitet gesehen. dann styropor, farbe, gut isses. ich wäre zu feige, bewundere das auch irgendwie, aber sicherheitsstandards, wenn es solche im arbeitsschutz hier geben sollte, hm...

bald werden die menschen hier neben mir fertig sein, mehr frühling, weniger styropor!

Sonntag, 9. März 2008

Paris, München

Jetzt bin ich schon fast sechs Wochen wieder in München und muss feststellen: So aufregend war der Abschied nicht. Überraschend schnell fügt man sich wieder in die münchner Gegebenheiten ein, ein Alltag nimmt einen ein, "Paris" wird Episode. Und so viel ich auch von Paris mitnehmen konnte an Kultur, Kunst und Karneval, war für mich das Aufregende am Auslandssemester nicht "die große Stadt", sondern das Zurechtfinden in der Fremde, das Leben mit einer anderen Sprache – und die Bestätigung, wenn man merkt, wie einem das gelingt. Paris ist einfach eine Nummer größer als München. Das ist weder positiv noch negativ gemeint, es soll einfach beschreiben, dass Paris mehr Einwohner, mehr Häuser, mehr Straßen, mehr Theater, größere Museen, in denen größere Namen ausstellen und so fort hat. Ich vermisse das aber nicht unbedingt, selbst in München schaffe ich es meist nicht alles anzuschauen, was ich will. So weit ein kurzes Fazit.
Und bevor sich das zu nüchtern und negativ anhört: Es war schön, ich bin zurück und bereue nichts./J'aime bien Paris, je suis retourné et je ne regrette rien.
Bises, Elias

Mittwoch, 23. Januar 2008

Die Vögel

Ein seltsames Phänomen, und es wird mir immer nur bewusst, wenn das Wetter dazu passt.
Wenn es grau und diesig ist, als würde der Himmel demnächst runterfallen, aber vielleicht wird es auch einfach nur regnen oder schneien. Auf alle Fälle ist bei dem Wetter, das mit dem Phänomen verbunden ist, immer alles grau und trist. Die Blätter des letztjährigen Herbstes sind wieder zu sehen, weil kein Schnee mehr liegt. Die Blätter können aber auch über den braunen Matsch nicht hinwegtäuschen, der jetzt überall liegt. 

Und in solchen Momenten, wenn also der Himmel beinahe die Erde erdrückt, da sehe ich sie und nehme sie war: Riesige Vogelschwärme, schwarze Vögel, in großen Mengen. Ich vermute, es sind Krähen. Pechschwarz, ich habe sie noch nie am Boden sitzen und dann gemeinsam aufstoben sehen, habe bisher immer nur gesehen, wie sie, sehr viele von ihnen, über meinen Kopf und die Dächer der grauen Häuser an grauen Tagen geflogen sind. 

Ich frage mich, ob sie weiterziehen, wenn sich das Wetter ändert?

Donnerstag, 17. Januar 2008

Das interessiert niemanden nicht

"Nic nie rozumiem" - Ich verstehe nichts. Eigentlich aber: Ich verstehe nicht Nichts. Was haben wir also im Polnischen gefunden, was den Bayern, aber auch nur ihnen, kein Kopfzerbrechen macht? Richtig: Die doppelte Verneinung. Ein Konstrukt, das für den Rest Deutschlands äußerste seltsam anmuten kann, wird in Polen genauso gepflegt wie bei uns etwa: "Des versteht doch koa Mensch ned!". 
Eigentlich sollte daraus folgen: Ich verstehe. Und weil Nicht nichts, verstehe ich etwas. Die andren im Polnischkurs waren erstaunt, ich bin begeistert. Eine kleine Grenze zerstört also keine sprachlichen Besonderheiten. 

Wobei, den Franzosen dürfte das doch auch nicht so fremd vorkommen? "Je ne compris pas", das zählt doch wohl auch dazu, zu dieser Struktur, Sprachverschwörung gegen Nichteingeweihte!

Sonntag, 13. Januar 2008

Wieder Warschau

Seltsam. Nach zwei Wochen daheim, irgendwo zwischen Ober- und Niederbayern, bin ich nach kurzem Flug vor gut einer Woche wieder angekommen. 

Und ich stelle mehrerlei fest: 
Ich brauche nicht mehr wirklich lange um mich wieder einzugewöhnen
Warschau erscheint mir immer mehr als meine Stadt, ich kann inzwischen schon den Weg erklären, wenn Menschen mich fragen. Und manchmal sogar die Tramnummer. 

Es ist wärmer als erwartet
Ich bin von krassen Minusgraden ausgegangen. Am Anfang zurück, wehte zwar der berüchtigte kalte, beißende Wind, aber nur zwei Tage. Seit dem ist es mässig bis angenehm, soll heißen, über 0 Grad. Ebenso: Kein Schnee. 

Es ist heller als erwartet
Das ist keinesfalls auf die Herzlichkeit der Menschen hier bezogen, die meistens nicht so gering ist. Obwohl alle Großstädte wohl die Menschen zu etwas kälteren Gesellen machen. 
Ernsthaft, es war heute um halb fünf noch einigermassen hell! Das ist wirklich gut, nachdem das etwa ne Stunde mehr Licht heißt, als zu der Zeit als ich abgeflogen bin. Und das tut gut und lässt die Stadt noch schöner sein. Tageslicht macht einfach ein paar Glückshormone mehr herumschwirrend. 


Was ich noch feststelle: Das Semester geht zu Ende. 
Die große Abschiedsparty hat bereits stattgefunden. Und jetzt sind alle etwas angespannt - die Rückflüge schon gebucht, das Bedürfnis, die Klausuren zu bestehen und die noch ausstehenden Essays zu schreiben. Ich sollte traurig sein, ich werde es langsam auch. Aber ich habe noch ein weiteres Semester und freue mich schon drauf - es wird noch wärmer und heller sein. Und diverse ausstehende Besuche werden mich auf Trab halten. Hoffe ich :) 



Freitag, 11. Januar 2008

Le Tecktonik

Ganz groß à la mode ist in Frankreich bei jungen Männern die battle im Tecktonik, ein Tanz mit definierten Bewegungen zu beschwingter, technoider Musik. Hier en action: mein Mitbewohner Pablo (der erste) mit seinen Freunden Antoine und Charlie:

http://www.youtube.com/watch?v=YIRrXaUKL1k

Samstag, 5. Januar 2008

Dialog unter zwei Bayerinnen, Flughafen München

In der Absicht, eine Flasche Mineralwasser zu kaufen, wird diese auf die Theke gestellt.

a: Your flightdestination? (Mit bayerischem Akzent im Englischen)
b: Warschau. (eindeutig: Bayerische Aussprache)
a: One Euro seventee. (Mit bayerischem Akzent im Englischen)
b: Hier, Bitte (Geld wird überreicht)
a: ... and thirtee cent (gibt das Wechselgeld über die Theke)
b: Wiederschaun!
a: (erstaunt) Wiederschaun!