Dienstag, 27. November 2007

Weiß

Der erste Schnee ist immer ein bisschen wie Liebeskummer. Er bläst einem mehr nass als weich ins Gesicht. Auch wenn man denkt, bald wird alles vorbei und zugedeckt sein, die ersten Tage in dieser Mischung aus flüssig und fest, aus Werden und Vergehen, sind anders als alles.

Mein Körper stellt sich mehr auf die Kälte ein. Ich friere immernoch erbärmlich, aber das tue ich im Winter immer. Ich habe Mütze und darüber Kaputze auf, ich trage einen dicken Schal und Handschuhe. Etwas Kälte hält das Fern. Die von Außen zumindest. Innen richtet das Wetter nicht weniger Schlimmes an: Zuerst eine Depression, eine gering andauernde, dafür intensive. Dann nur noch eins: der Wunsch, sich eine Höhle zu suchen und zu schlafen. Bis zum Frühling.

Das passiert aber nur beim ersten Schnee. Der erste Schnee, der liebeskummergleiche, bleibt nicht liegen. Es bilden sich wieder Wasserlachen, es ist noch zu warm. Aber der Wind wird kälter. Und bald wird dieses Gefühl vorbei sein und der richtige Schnee wird kommen, er wird liegenbleiben und alles abdämpfen. Die Realität scheint verklärt, die Weihnachtsdekorationen wirken dann nicht mehr abstossend sondern Surreal, der Schnee bleibt und nimmt der Welt etwas von ihrer Härte. Auch das einem inneren Prozess gleich. Vielleicht ein bisschen wie verliebt - weg von der Realität.

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