Donnerstag, 6. Dezember 2007

Streik I: les étudiants

Die Bewegung der Studierenden gegen das Autonomisierungsgesetz – ähnlich dem in Bayern mit dem neuen Hochschulgesetz eingeführten – kennt neben Demonstrationen vor allem ein Mittel: die Blockade. Die Blockade einer Universität ist insofern eine effiziente Maßnahme, weil fünfzig Blockierende, den Rest der Studierenden und die ProfessorInnen am Eintreten hindern können und sie somit zum Streik zwingen. Zuvor wird in einer Assemblée générale (AG) über den Streik beziehungsweise die Blockade abgestimmt. Hier liegt jedoch ein kritischer Punkt: Die demokratisch Legitimitation der Bewegung hängt von der Beteiligung an den Versammlung ab. In einigen der bis zu 60 Universitäten in Frankreich, die sich gegen das Gesetz engagieren, steht die Bewegung auf einer breiten Basis, an anderen, wie auch der Sorbonne in Paris, sinkt die Zahl der Versammelten von AG zu AG.
Die Auswirkungen sind recht unterschiedlich. An der Sorbonne war das Hauptgebäude in den letzten Wochen durchschnittlich einmal die Woche blockiert, an anderen Universitäten beispielsweise in Limoges wurde mehr als zwei Wochen durchgehend gestreikt. Vor der Sorbonne kommt es zu hitzigen Diskussionen zwischen Blockierenden und Studierenden, die in die Universität wollen – gerade in Frankreich wo vor einem Concours, einer Prüfung wo meist nur ein kleiner Bruchteil der Antretenden besteht, ein enormer Druck auf den Studierenden lastet,sind viele Studierende da im Zwiespalt. Grundsätzlich sind aber die Studierenden, wie auch die Lehrbeauftragten zum größten Teil gegen das Gesetz.
Die Maßnahmen der Autoritäten gegen die Bewegung sind – aus deutscher Sicht – radikal. Der Eingang der Sorbonne und die Umgebung ist seit Wochen durch die massive Präsenz der Polizisten im gepanzerten Anzug der Nationalpolizei CRS geprägt. An anderen Universitäten wurden Hörsäle von der Polizei geräumt, an der Tolbiac, einer anderen Pariser Universtiät kam es zu Handgreiflichkeiten zwischen einigen Professoren der Universität, darunter dem Präsidenten und blockierenden Studenten, nachdem der Präsident eine rechtsradikale Gruppe zu Hilfe gerufen hatte, um die Blockade zu brechen.
Insgesamt scheint die Bewegung aber kleiner zu werden, der Widerstand vergeblich gewesen zu sein. Die Folgen des Gesetzes werden die gleichen sein wie in Bayern: schlecht bezahlte Dozenten, Ausrichtung der Fächer an der Universität nach der wirtschaftlichen Verwertbarkeit, also Schließung kleiner Institute mit wenigen Studierenden. Das ist vor allem für eine Universität wie die Sorbonne, die wie kaum eine andere für die Geisteswissenschaften nicht ungefährlich.

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